Editorial: Gott sei Dank. Erntedank & Klimaschutz
Was haben zwei Bären, die vor schmelzendem Eis zu ablehnenden Braunbären fliehen, mit Erntedank zu tun? Warum Klimaschutz aus christlicher Schöpfungsverantwortung? - Das Erntedankfest lässt uns solche Verbindungen bewusst werden.
„Gott sei Dank“ – dieser kurze Satz drückt Dankbarkeit aus. Für das, was ich Gutes empfangen habe - oder dass mir Schlimmes erspart blieb. Beim christlichen Erntedankfest richtet sich der Blick besonders auf das, was uns die Erde schenkt: Nahrung, Wasser, fruchtbare Böden und eine vielfältige Natur. Doch bei Erntedank geht es um mehr als ein „Dankeschön“, denn: Wer dankbar ist, kann auch Verantwortung für das übernehmen, was ihm geschenkt, ja anvertraut ist.
Gerade angesichts des Klimawandels bekommt diese Dankbarkeits-Botschaft eine neue Bedeutung, vielleicht auch Brisanz: Dürren, Überschwemmungen, steigende Temperaturen und der Verlust von Lebensräumen zeigen, dass die natürlichen Grundlagen unseres Lebens stark gefährdet sind. Klimaschutz bedeutet deshalb auch, aus christlichem Geist heraus die Schöpfung zu bewahren und gerecht(er) mit ihren Ressourcen umzugehen. Dankbarkeit im Herzen – und auf den Lippen - kann dabei ein Anstoß sein: Sie lädt dazu ein, nicht nur zu fragen, was wir von der Erde bekommen, sondern auch, was wir zu ihrem künftigen Schutz beitragen können.
Der französische Animationsfilm Migranten (2020, 8 Minuten, ab 10 Jahren, in Medienzentralen.de) greift diese Verantwortung auf eindringliche und zugleich kindgerechte Weise auf: Zwei Eisbären werden durch die Folgen der Klimaerwärmung aus ihrer vertrauten Heimat vertrieben und suchen Zuflucht in wärmeren Gefilden, dort wo bereits Braunbären heimisch sind. Dabei erfahren die Migranten aus dem Eis Ablehnung und Ausgrenzung. Der Film verbindet damit zwei Themen: die Folgen des Klimawandels und die Frage, wie wir mit Geschöpfen umgehen, die ihre Heimat verloren haben.
So erweitert Migranten die Botschaft des Erntedanks: Die Klimakrise betrifft nicht nur Pflanzen, Tiere und Landschaften, sondern auch Menschen. Wenn Lebensgrundlagen zerstört werden, entstehen Flucht und Migration. Erntedank kann deshalb zu einer genuin christlichen Haltung führen, die über den eigenen Tellerrand hinausblickt: Dankbar sein für das, was wir haben, und zugleich dafür sorgen, dass auch andere Menschen und kommende Generationen eine lebenswerte Erde vorfinden.
„Gott sei Dank“ ist somit nicht nur ein Satz des Dankes, sondern auch ein Auftrag: die Schöpfung zu achten, Verantwortung zu übernehmen und solidarisch zu leben.
Hintergrund - Erntedankfest
Das christliche Erntedankfest hat seine Wurzeln in einer biblischen Tradition, die sich bereits im Alten Testament zeigt, Gott für die Ernte und seine Gaben zu danken. Im Mittelpunkt steht die Dankbarkeit für Nahrung, Wasser und die Vielfalt der Schöpfung – verbunden mit dem Bewusstsein, dass nichts selbstverständlich ist. Zugleich erinnert Erntedank an die Verantwortung des Menschen, die Schöpfung zu bewahren und ihre Gaben gerecht zu teilen. Erntedank verbindet damit Dankbarkeit, Verantwortung und Solidarität.
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Erzdiözese Freiburg – vorbildliche Schöpfungsverantwortung
„Die Stabsstelle Schöpfung und Umwelt ist zentrale Anlauf- und Koordinationsstelle für die Umweltarbeit in der Erzdiözese Freiburg. Im Auftrag von Erzbischof Stephan verfolgen wir das Ziel der Klimaneutralen Erzdiözese und bearbeiten gemeinsam mit den Verantwortlichen in den Kirchengemeinden und in der Verwaltung die fünf Handlungsfelder Gebäude & Energie, Nachhaltiger Konsum, Mobilität, Bildung und Natur & Vielfalt.
Um den Klimaschutz voranzubringen, hat Erzbischof Stephan Burger die Kommission Schöpfung und Umwelt eingerichtet. Diese soll dafür Sorge tragen, dass das ambitionierte Ziel der Klimaneutralen Erzdiözese zügig erreicht wird. 2021 hat Erzbischof Stephan Burger den von der Kommission Schöpfung und Umwelt verantworteten Fahrplan zum Ziel (Klimaschutz-Konzept) angenommen. Das Klimaschutz-Konzept wurde in ökumenischer Kooperation mit der Evangelischen Landeskirche in Baden entwickelt.“ (Quelle und weitere Infos)


