Die Kirche – ein sicherer Ort?

04.08.2026 | Ein Artikel zum CSD in Mannheim

Hier bin ich sicher. Ich werde ich akzeptiert. Hier darf ich sein.
Frei von Diskriminierung, frei von Gewalt, frei von Unterdrückung.
 
Am Vorabend der Monnem Pride fand in der Schlosskirche in Mannheim ein queerer Gottesdienst statt.
Für die queeren Geflüchteten ist dies ein ganz besonderes Erlebnis. Sie kommen aus dem Iran, Syrien, Kamerun, Senegal, Gambia, Ghana oder Nigeria. In manchen Ländern steht auf homosexuelle Handlungen die Todesstrafe.
 
Doch an diesem Abend fühlten sie sich willkommen und angenommen. Im Altarraum prangte eine Regenbogenfahne. Eine Trans-Person hielt eine Ansprache und sang ein Lied voller Emotion und Hingabe.
Es entstand ein Raum, der spüren ließ: Ich bin nicht schmutzig. Ich bin nicht verachtenswert. Ich bin ein Kind Gottes! Ich bin geliebt!
 
 

Die meisten Geflüchteten hörten zum ersten Mal in Ihrem Leben in einem Gotteshaus, dass die Botschaft der Liebe Gottes auch für sie gilt.
Die meisten hatten Tränen in den Augen.
Menschen, die auf Grund ihrer sexuellen Orientierung ihre Heimat verlassen müssen, haben oft schreckliche Dinge überlebt.
Viele haben auch durch die Religionsgemeinschaften Gewalt, Missbrauch, Todesdrohungen und Ausgrenzung erfahren.
Konversionstherapien, Teufelsaustreibungen, Götterbeschwörung, massive Gewalt – verübt auch durch Kirchen, Klöster, Moscheen, Kirchengemeinden.
Am nächsten Tag auf der Parade mitten durch die Innenstadt wurde den Menschen klar: Ich bin nicht alleine. Wir sind viele. Unsere Gruppe der Rainbow-Refugees war stark: Etwa 50 Menschen aus verschiedenen Teilen der Welt gesellten sich dazu. Auch die Kirchen hatten eine ökumenische Fußgruppe: Liebe tut der Seele Gut – Hass schadet der Seele!  Und am Straßenrand klatschen die Menschen und wedeln mit Regenbogenfahnen und Fächern.
In der Heimat wären stattdessen Steine geflogen oder man wäre dem Tod geweiht. – Es war ein Gänsehaut-Tag.
 
Die Regenbogenfahne wird für queere geflüchtete Menschen zum Symbol für das Überleben, für die Widerstandskraft, für Zusammenhalt, für Familienersatz.
 
Am Tag nach der Parade hat jemand den Fahnenmast mit der Regenbogenfahne  vor der St. Sebastians Kirche am Marktplatz gefällt.
Für die betroffenen Menschen ist dies ein Schlag ins Gesicht.
Was hat das zu bedeuten? Was ist das Motiv des Täters?
 
Wir dürfen uns die Freiheit, verschieden zu sein, nicht nehmen lassen.
 
Text: Jochen Winter